Eine Winterreise
Wenn der Boden im Mittelland abgeerntet ist und von den ersten Frösten
gezeichnet, ziehen sie los, die Wanderschäfer mit ihren Herden. Unterwegs
im Luzernbiet mit Michele Cadenazzi
TEXT THOMAS MÜLLER // FOTOGRAFIE ROBERT HUBER
Ein Pfiff. Sieben Schafe versuchen davonzuschleichen,
hin zum Acker, der mit Winterweizen lockt.
«Merlot los!», ruft der bärtige Mann mit dem Schlapphut.
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Eine Winterreise
Wenn der Boden im Mittelland abgeerntet ist und von den ersten Frösten
gezeichnet, ziehen sie los, die Wanderschäfer mit ihren Herden. Unterwegs
im Luzernbiet mit Michele Cadenazzi
TEXT THOMAS MÜLLER // FOTOGRAFIE ROBERT HUBER
Ein Pfiff. Sieben Schafe versuchen davonzuschleichen,
hin zum Acker, der mit Winterweizen lockt.
«Merlot los!», ruft der bärtige Mann mit dem Schlapphut.
Und Merlot, nicht faul, schiesst wie ein grauer
Pfeil der Herde entlang, bellend treibt er die Tiere zusammen.
«Bäähhh!», schuldbewusst mischen sich die
Abtrünnigen wieder unter die Menge. Noch ein Pfiff.
«Merlot, Fuss!». Und schon sitzt der Mischlingshund
beim Hirten, schaut treuherzig. Ein eingespieltes Team.
«Von Merlot können die beiden anderen viel lernen»,
sagt der Bärtige und schaut hinüber zum Bergamasker
Moro und dann zu Ferro, dem schwarzen Tunichtgut,
den er während dieser Saison zum tadellosen Hirtenhund
ausbilden will. Wenn sich ein Hund gut entwickelt,
«macht das Freude».
Ihn kommandiert keiner herum, er ist der Chef hier:
Michele Cadenazzi, Schafhirte mit Leib und Seele. Von
Mitte November bis Ende März zieht er mit seiner Herde
durchs Mittelland, gemächlich, doch stetig, der Natur
ausgesetzt und von ihr zehrend, so wie es dem
Merkmal des Hirtentums als einer der ursprünglichsten
Formen menschlicher Mobilität entspricht.
Harte Arbeit, störrische Tiere zerschneidet, Wanderrouten verunmöglicht. «Auch vder Strassenverkehr wächst an, meine Arbeit wird
je länger desto komplizierter», sagt Cadenazzi. Das
Schäferleben sei nicht so idyllisch, wie es sich manche
Städter vorstellten.
(cont..)......(full text available by Thomas Muelller: thomas.mueller@email.ch
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